Wollbach
Wollbach

Über Wollbach

Wollbach

Kanderns südlichster Stadtteil Wollbach kann sich rühmen, bei der Gemeindereform 1974 die größte Gemarkungsfläche in die Stadt eingebracht zu haben. Doch das 18,6 Quadratkilometer große und weit verzweigte Siedlungsgebiet mit insgesamt rund 1350 Einwohnern erfordert auch besonders hohe Aufwendungen, um die Infrastruktur zu sichern. Viele Kilometer Wegenetz sowie Ver- und Entsorgungssysteme bilden eine permanente finanzielle Belastung. Dennoch konnten in den letzten Jahrzehnten auch wichtige bauliche Maßnahmen wie Mehrzweckhalle und Kindergarten realisiert werden. Und nach über 30 Jahren Planungsprozedere kam schließlich auch die Erschließung des neuen Baugebiets "Niedere Hofrütte" in Gang. Gleich nach der Gemeindereform wurde die Ortskanalisation als langfristiges Etappenprojekt sukzessive erneuert. Das gesellschaftliche Miteinander im Dorf und seinen Nebenorten wird durch ein reges Vereinsleben geprägt. Eine über 150jährige Tradition haben dabei der Gesang- und Musikverein. Zu den ältesten Organisationen gehören auch die Feuerwehrabteilung und der Frauenverein. Sportverein, DRK-Ortsverein, Schützenverein und Kirchenchor blicken auch schon auf eine Jahrzehnte währende Tradition zurück. Die Szenerie wird jüngerer Vergangenheit attraktiv bereichert durch Kinder- und Jugendtreff, Landfrauen-Ortsverein, Tennisclub, Wanderfreunde und vier Fasnachtscliquen. Immer wieder gibt es außerdem Initiativen – regelmäßig auch vom Ortschaftsrat -, die sich ad hoc zum Wohl der Allgemeinheit engagieren, sei es die Sanierung der Spielplätze, die Renovierung der Friedhofsmauer, die Anlage von Lehr- und Themenwegen oder die Organisation des Kinder-Ferienprogramms alljährlich im Sommer. Ein lebendiges kirchliches Leben und eine vielgestaltige Gastronomie tragen nicht minder zur gehaltvollen Qualität des dörflichen Gemeinschaftsgefühls bei.

Wollbach

Hammerstein

Als kleine Weiler von eigenem dörflichem Charme weisen die vier Wollbacher Nebenorte jeweils einen individuellen Charakter auf. Der größte davon ist Hammerstein mit knapp 170 Einwohnern. Dank seiner Lage an der Landstraße 134 und der Kandertalschiene spielte das Dorf früher eine wirtschaftlich exponierte Rolle. Hier wurden bis etwa 1960 die Bahnwaggons mit dem bei Egisholz abgebauten wertvollen Ton beladen und dann gab es auf halber Strecke nach Kandern noch eine weitere Bedarfsstation, wo der Zug das für den Wegebau gefragte Steinbruchmaterial und Produkte einer kleinen inzwischen verschwundenen Teerfabrik aufnahm. Derweil ist dort ein Ableger des Fraunhofer Instituts etabliert. Wenige hundert Meter südlich von Hammerstein befindet sich die Kläranlage der Stadt Kandern, die Anfang dieses Jahrhunderts mit Millionenaufwand modernisiert wurde. Ursprünglich waren die Hammersteiner wenig begeistert von dieser "öffentlichen Einrichtung vor der Haustüre", doch mittlerweile stört ihr Anblick kaum mehr und auch die befürchtete starke Geruchsbelästigung hält sich in erträglichen Grenzen. Herausragendes Gebäude neben der Bahnhofsgaststätte ist das historische Fachwerkhaus mit einem Dachreiter darauf. Seine Besitzer haben es vor Jahren im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms sorgfältig saniert. Die gute Verkehrslage Hammersteins hat hier – neben den noch existierenden landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben - auch eine bescheidene Gewerbeblüte befördert. Aktuell besteht die Unternehmerszene aus einer Zimmerei, einer Consultingfirma für Solarenergie, einer Kfz-Werkstätte und einer Hausbrennerei.

Hammerstein

Nebenau und Egerten

Dort wo das Wollbach-Bächlein etwa vier Kilometer nach seinem Quellgebiet die "Zivilisation" erreicht, schmiegt sich das kleine Dörfchen Nebenau zwischen die Wald- und Feldhänge. Etwa 105 Einwohner leben hier in rund 30 Häusern, von denen die meisten sehr schön renoviert sind. "Es ist ein Dorf mit wenig Himmel" schrieb einmal ein Schüler in einem Aufsatz, dafür eines mit bewegter Vergangenheit und einer ehemals beachtlichen Gewerbestruktur. Früher gab es hier Ziegler, Hafner, Kalk- und Gipsbrenner. Einer der historischen Kalköfen ist heute noch erhalten. Eine weitere lokale Besonderheit ist das so genannte Krebsebächlein, das von einer warmen Quelle gespeist wird. Laut Chronikberichten soll hier im Mittelalter reges Badeleben geherrscht haben. Heute ist ein Teilstück des Bächleins mit Brunnenkresse bewachsen, die im warmen Wasser auch im Winter gedeiht und von einem Anwohner kultiviert und vermarktet wird. Einige hundert Meter oberhalb von Nebenau liegt das 110-Seelen-Dörfchen Egerten, das im Verhältnis zur Einwohnerzahl "Deutschlands größte Wirtschaftsdichte" aufweist, denn neben einer traditionsreichen Dorfgaststätte gibt es am Ortsende noch ein renommiertes Nobellokal, neben dem sich zudem ein kleines Museum mit dem Nachlass des einst hier wirkenden Künstlers Max Böhlen befasst. Am Ortseingang befindet sich eine Weinschenke, die von Frühjahr bis Weihnachten zum gastlichen Verweilen einlädt nebst Besichtigung eines Hausmuseums und einer Fülle ländlicher Antiquitäten.

Egerten und Nebenau

Egisholz

Hoch über dem Kandertal am Südwesthang des Heubergs liegt Egisholz, der vierte zu Wollbach gehörende Filialort. Wegen seiner Hanglage, die einen weiten Blick Richtung Rheinebene und Vogesen ermöglicht, ist das Dörflein als Wohngegend neuerdings sehr gefragt. Dies machte sich in den letzten Jahren bemerkbar in einer regen Neubautätigkeit, die die jahrzehntelang auf unter 100 Menschen eingependelte Einwohnerzahl spürbar anschnellen ließ. In der Vergangenheit war Egisholz vorwiegend landwirtschaftlich geprägt und seinen bäuerlichen Charakter hat es sich bis heute bewahrt. Ein besonderer Gewerbezweig hier war auch die sogenannte „Lättegruebe“ (Lehmgrube), deren Tonabbau für die Zementfabrik in Kleinkems im vorigen Jahrhundert lange Zeit stark florierte, da der Egisholzer Ton qualitativ besonders wertvoll war. In den 1970er-Jahren wurde die mittlerweile stillgelegte und durch Erdrutsche veränderte Lehmgrube in eine Mülldeponie umfunktioniert und später sogar vom Landkreis als Sondermülldeponie für belastetes Baumaterial genutzt. Drohende Umweltschäden bewirkten dann allerdings, dass das Gelände renaturiert und später von der Markgräfler Naturschutzgruppe des Schwarzwaldvereins übernommen und gepflegt wurde. In gewerblicher Hinsicht ist das verkehrsmäßig nicht optimal erschlossene Dörfchen nicht eben ein idealer Platz. Dennoch ist hier seit Jahren ein erfolgreiches Familien-Unternehmen für Vertrieb und Montage von Bauelementen, Türen und Fenstern etabliert.

Egisholz